Forderungen der WUM bezüglich Diplomarbeiten an der MedUni Wien

Präambel

Wir, die WUM, bekennen uns zum Nürnberger Kodex, auf dass nie wieder in verbrecherischer Weise Menschen durch medizinische Forschung geschädigt werden sollen. Wir bekennen uns weiters zur Deklaration von Helsinki, auf dass nie wieder die Menschenwürde bei medizinischer Forschung verletzt werden soll.

Wir bekennen uns außerdem dazu, dass gewisse Regeln und Standards notwendig sind, um diese Ziele zu erreichen. Vor allem halten wir es für absolut notwendig und unumgänglich, dass medizinische Forschungsprojekte – so auch Diplomarbeiten an der MedUni Wien – vor ihrer Durchführung von einer geeignet zusammengesetzten Ethik-Kommission bewilligt werden müssen.

Andererseits ist es uns ein großes Anliegen, dass es allen WissenschaftlerInnen und Studierenden der MedUni Wien so einfach wie möglich gemacht wird, ihre Forschungsprojekte bzw. Diplomarbeiten – unter Einhaltung aller ethischen Standards – rasch und zügig voranzutreiben. Die WissenschaftlerInnen und Studierenden sollen sich dabei auf das Wesentliche konzentrieren können, nämlich die eigentliche wissenschaftliche Arbeit. Ausufernde Bürokratie, die nicht der Einhaltung ethischer Standards dienlich ist, sondern lediglich das Arbeiten behindert und den Abschluss verzögert, soll abgebaut werden. Leider ist es derzeit an der MedUni Wien kaum möglich, eine Diplomarbeit in den gesetzlich vorgesehenen 6 Monaten abzuschließen. Es gibt nur wenige Studierende, denen dies gelingt.

Aus den genannten Gründen haben wir – nach Gesprächen mit unzähligen Studierenden – die im Folgenden angeführten Forderungen entwickelt. Es ist dabei wichtig zu betonen, dass wir auf keinen Fall die wissenschaftliche Qualität der Arbeiten senken wollen.

1. Informationsheft “How to Diplomarbeit”, herausgegeben durch die CD

Oft entstehen wochen- bis monatelange Verzögerungen bei der Diplomarbeit dadurch, dass gewisse vermeidbare (insb. Formalfehler) gemacht werden. Das führen die Studierenden u. a. darauf zurück, dass viele Informationen betreffend Diplomarbeit nicht oder nur schwer auffindbar öffentlich verfügbar sind. Die derzeit auf der Homepage der MedUni Wien dazu verfügbaren Informationen sind offensichtlich insuffizient, wenn nicht einzelne KollegInnen, sondern praktisch jedeR Studierende durch vermeidbare (Formal-)Fehler eine Verzögerung seiner Diplomarbeit erlebt.

Abhilfe könnte geschaffen werden, indem die Curriculumdirektion als für Diplomarbeiten zuständige Stelle ein umfassendes Schriftstück erstellt und veröffentlicht, in dem allen notwendigen Schritte einer Diplomarbeit erläutert sind. Insbesondere sollten darin auch alle Formalkriterien, nach denen Projektplan bzw. endgültige Arbeit bewertet werden, angeführt und erläutert sein. Denn diese Information ist bis dato nicht öffentlich verfügbar und das führt oft zu wochen- bis monatelangen unnötigen Verzögerungen, weil Dokumente nochmals eingereicht werden müssen.

2.Online-Einreichung der Anmeldung

Es gibt für uns keinen plausiblen Grund, der rechtfertigt, dass im Jahr 2017 die “Meldung der Diplomarbeit” in Papierform eingereicht werden muss. Weder wird dadurch die wissenschaftliche Qualität der Arbeiten erhöht noch dient dies der Einhaltung ethischer Standards. Abgesehen von der Papierverschwendung, die der Umwelt auf Dauer massiv schadet, können dadurch unnötige wochenlange Verzögerungen entstehen: Denn es ist dadurch eine physische Anreise zur Studienabteilung innerhalb der spärlichen Öffnungszeiten (siehe Punkt 8) und außerhalb der Ferien erforderlich. Dies ist v. a. für Studierende, die nebenbei berufstätig sein müssen, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen, und für Studierende, die Lehrveranstaltungen mit 100% Anwesenheitspflicht absolvieren müssen, nur schwer möglich.

Die MedUni Wien sollte eine Online-Plattform (med.campus oder eine andere) zur Verfügung stellen, auf der alle notwendigen Dokumente hochgeladen werden können. Jedenfalls soll es nicht mehr erforderlich sein, die Dokumente in Papierform einzureichen.

Es soll parallel dazu weiterhin möglich sein, die Dokumente wie bisher in Papierform einzureichen. Die Fristen für die Bearbeitung durch Studienabteilung, Curriculumdirektion etc. (dazu siehe weiters die Punkte 7 & 9) sollen zu laufen beginnen, sobald alle notwendigen Dokumente hochgeladen sind bzw. durch Online-”Unterschrift” (siehe Punkt 3) bestätigt sind.

3.Unterschriften durch Online-Vidierung ersetzen

Viele KollegInnen berichten, dass es ihre Diplomarbeit am meisten verzögert hat, dass sie ständig physische Unterschriften des Betreuers, ggf. des Co-Betreuers und des Organisationseinheitsleiters (OEL) einholen müssen. Diese Personen sind oftmals viel beschäftigte Menschen und für die Studierenden schwer erreichbar. Insofern ist es oftmals ein Problem, physische Treffen mit diesen Personen zu vereinbaren, in denen es einzig und alleine um eine Unterschrift geht und nicht um inhaltliche Themen. Abgesehen davon ist das dadurch notwendige Ausdrucken und Wieder-Einscannen ein unnötiger, mühsamer Prozess, der für niemanden einen Vorteil bringt, sondern höchstens zu Qualitätsverlusten bezüglich der Lesbarkeit führt – im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß.

Die MedUni Wien möge daher evaluieren, ob wirklich so viele physische Unterschriften notwendig sind oder ob man nicht an der einen oder anderen Stelle darauf verzichten könnte.

Weiters möge (in Kombination mit Punkt 2) eine Online-Plattform eingerichtet werden, auf der die notwendigen Dokumente hochgeladen werden können und durch eine Online-”Unterschrift” von den o. g. Personengruppen – analog zum Vidieren von Patientenbriefen – bestätigt werden. Die o. g. Personengruppen sollen automatisch eine Benachrichtigung per e-Mail erhalten, wenn Dokumente hochgeladen wurden, bei denen ihre Online-”Unterschrift” erforderlich ist sowie weitere Benachrichtigungen in regelmäßigen Abständen (z.B. 1x pro Woche).

Es soll parallel dazu weiterhin möglich sein, die Unterschriften physisch auf Papier einzuholen und die Dokumente in Papierform einzureichen.

4.EDV-Anträge online und mit online-Vidierung sowie Bearbeitung binnen kürzerer Frist

Studierende berichten, dass aus verschiedenen Gründen von dem Zeitpunkt, an dem sie einen EDV-Antrag ausfüllen, bis sie tatsächlich die notwendigen Zugänge erhalten, oft Wochen vergehen. In diesen Wochen können die Studierenden naturgemäß nicht an ihrer Diplomarbeit arbeiten, es ergeben sich daraus wochen- bis monatelange unnötige Verzögerungen. V. a. liegt dies wieder daran, dass diverse physische Unterschriften erforderlich sind.

Analog zu den Punkten 2 und 3 sollte es möglich sein, EDV-Anträge, insb. für MedUni Wien-, AKH- und AKIM-Zugänge, online zu stellen und online von den entsprechenden Personen vidieren zu lassen, parallel dazu soll die Einreichung in Papierform weiterhin möglich sein.

Weiters soll die Frist für die Bearbeitung bis zur Freischaltung bzw. Ablehnung auf eine Woche festgesetzt werden.

5.EK schickt positives Votum & weitere Dokumente automatisch an CD/Studienabteilung

Die Ethik-Kommission soll ein positives Votum – sofern im entsprechenden Feld “Diplomarbeit” angekreuzt wurde – und ggf. die Bestätigung der Bewilligung von Amendments sowie alle weiteren ihr vorliegenden Dokumente (z. B. Projektplan, Verschwiegensheitserklärung etc.) automatisch und unaufgefordert auf elektronischen Weg an Studienabteilung bzw. Curriculumdirektion schicken.

Es besteht unserer Ansicht nach kein erkennbarer Nutzen darin, dass die genannten Dokumente von den Studierenden angefordert, ausgedruckt und in Papierform bei der Studienabteilung wieder eingereicht werden müssen. Es führt lediglich zu Papierverschwendung und dazu, dass etwas vergessen werden kann, was aufgrund der ungünstigen Öffnungszeiten der Studienabteilung (siehe Punkt 8) zu unnötigen wochenlangen Verzögerungen führen kann.

6.positives EK-Votum muss für Diplomarbeits-Anmeldung ausreichen

Unserer Ansicht nach ist die nach den entsprechenden gesetzlichen Vorschriften eingerichtete und zusammengesetzte Ethik-Kommission das einzige richtige Gremium, um zu entscheiden, ob eine wissenschaftliche Studie – und somit auch eine Diplomarbeit – an der MedUni Wien durchgeführt werden darf und insbesondere um zu entscheiden, ob der zu erwartende wissenschaftliche Nutzen die Durchführung der Studie – bzw. Diplomarbeit – rechtfertigt. Daher muss ein positives Votum der Ethik-Kommission unserer Ansicht nach ausreichen, damit die “Meldung der Diplomarbeit” ohne weitere Prüfung durch die Curriculumdirektion bewilligt wird.

Es ist für uns unverständlich, warum derzeit nach positiver Bewilligung durch die Ethik-Kommission eine weitere Überprüfung formaler Kriterien des Projektplans durch die Curriculumdirektion erfolgt. Es wäre unter Umständen höchstens sinnvoll, dass die Curriculumdirektion den Projektplan inhaltlich dahingehend überprüft, ob das Thema der Arbeit für eine Diplomarbeit an der MedUni Wien geeignet ist. Uns sind aber keine Fälle bekannt, in denen eine “Meldung der Diplomarbeit” aus inhaltlichen Gründen abgelehnt wurde. Demgegenüber berichten zahlreiche Studierende – unter Zusicherung strengster Wahrung ihrer Anonymität -, dass die “Meldung der Diplomarbeit” aufgrund von Formalfehlern im Projektplan (aber NICHT aufgrund mangelhafter inhaltlicher Qualität des Projektplans) von der Curriculumdirektion abgelehnt wurde, OBWOHL die Ethik-Kommission den Projektplan – u. a. auch bezüglich formaler Kriterien – zumindest als ausreichend gut für ein positives Votum erachtet.

Unserer Ansicht nach ist dies weder dazu dienlich, dass ethische Standards eingehalten werden, noch führt dies zu einer höheren wissenschaftlichen Qualität der Arbeiten. Es führt einzig und alleine dazu, dass die Studierenden beim positiven Abschluss ihrer Diplomarbeit massiv behindert werden und das ohne erkennbaren Nutzen.

7.kürzere Frist für CD/Studienabteilung für Beweilligung/Ablehnung der Diplomarbeits-Anmeldung

Curriculumdirektion bzw. Studienabteilung sollen verpflichtet sein, die “Meldung der Diplomarbeit” binnen einer Woche zu bewilligen bzw. abzulehnen (statt wie derzeit binnen 4 Wochen).

8.verlängerte Öffnungszeiten der Studienabteilung

Es ist für viele Studierende schwierig, die Studienabteilung in den kurzen Öffnungszeiten aufzusuchen. Besonders betrifft dies berufstätige Studierende und Zeiträume, in denen klinische Praktika oder andere Pflichtlehrveranstaltungen zu absolvieren sind. Dadurch entstehen oft unnötige bis zu wochenlange Verzögerungen. Um dem entgegenzuwirken, wäre abgesehen von der Online-Einreichung (s. o.) die Verlängerung der Öffnungszeiten der Studienabteilung sinnvoll: Die Studienabteilung sollte jeden Tag (Montag-Samstag) von 09:00 bis 16:00 Uhr, sowie zusätzlich an einem Wochentag ab 07:00 Uhr und an einem anderen Wochentag bis 20:00 Uhr geöffnet sein.

9.kürzere Frist für Diplomprüfung

Der Termin der Diplomprüfung soll nur 1 Woche vorher bekanntgegeben werden müssen (statt wie derzeit 4 Wochen vorher).

10.Transparenz als erster Schritt zur Besserung

Es wäre wünschenswert, dass von der Curriculumdirektion in Zusammenarbeit mit der Studienabteilung Daten erfasst werden, welcher Schritt bei der Diplomarbeit wie lange dauert und wodurch die Studierenden unnötig aufgehalten werden. Danach sollen statistische Auswertungen daraus erstellt werden. Diese Auswertung sollte veröffentlicht werden und als Basis für Diskussionen zur Optimierung der Abläufe und Regulierungen dienen.

Wir sind überzeugt davon, dass solche Daten und Auswertungen ähnliche Ergebnisse hervorbringen würden wie das, was wir in unzähligen Gesprächen mit Studierenden – unter Zusicherung strengster Wahrung ihrer Anonymität – herausfinden konnten.

Nachwort

Es wäre eigentlich nicht primär die Aufgabe der Studierenden, die Prozesse und Abläufe bezüglich Diplomarbeit zu optimieren, sondern die Aufgabe der MedUni Wien bzw. konkret der Curriculumdirektion. Die Abläufe müssen sowohl eine hohe wissenschaftliche Qualität und die Einhaltung ethischer Standards als auch die möglichst schnelle und reibungslose Bearbeitung einer Diplomarbeit gewährleisten, was unserer Ansicht nach derzeit nicht der Fall ist: und das nicht nur in Einzelfällen, sondern strukturell und systematisch. Die Curriculumdirektion sollte unserer Ansicht nach alles daran setzen, dass die Studierenden ihre Diplomarbeit so rasch wie möglich abschließen können und dass sie sich vordergründig auf das wissenschaftliche Arbeiten konzentrieren können, anstatt sinnlose bürokratische Formalitäten zu erfüllen.

Wir hoffen, dass wir mit diesen Vorschlägen dazu beitragen können, die in der Präambel genannten Ziele zu erreichen und die Prozesse und Abläufe zu optimieren.

Comments 1

  1. Philipp

    Punkt 11. In der Bibliothek Rechner aufstellen die AKIM-Zugang haben. so muss man nicht immer auf irgendeine Station auf einen meist fremdem Arbeitsplatz um Daten auszuwerten.

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